Auf Mann fixiert
Frage:
Ich bin 28 Jahre alt und seit 2 Jahren mit meinem Freund zusammen. Langsam stellt es sich heraus, daß wir beide sehr unterschiedliche Ansichten über Häufigkeit von Sex und haben. Ich möchte mindestens ein- oder zweimal die Woche Sex haben, leider passiert das sehr wenig oder überhaupt nicht. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, wenn ich zwei- bis dreimal im Monat Sex habe, in den letzten Monaten sogar nur einmal. Unser Sexualleben beschränkt sich nur auf Küssen und Umarmungen.
Wir gehen nicht einmal zusammen schlafen, weil er noch ein bißchen fernschauen oder Musik hören will.
Derzeit arbeite ich nicht (früher als wir uns kennengelernt haben, hatte ich noch einen Job), sondern lerne ich für die Uni zu Hause. Mein Freund arbeitet sehr viel bis spät am Abend. Ich habe Verständnis, daß er viel Streß hat und immer müde nach Hause kommt. Ich versuche auch, zu verstehen, daß er immer öfter seine Ruhe und Privatsphäre haben will. Ich versuche eine gute Hausfrau und jederzeit für ihn da zu sein und nicht etwas unangemessenes zu machen.
Seit längerer Zeit weiß ich, daß er masturbiert. Damals, als ich das herausgefunden habe, ist für mich eine Welt zusammengebrochen. Heute versuche ich, mich zu beruhigen, daß es nicht so schlecht ist. Mich stört es nur, daß ich nicht daran teilnehmen kann. Wir haben ein paar Mal darüber geredet. Für ihn ist Sex nicht das wichtigste in einer Beziehung. Er hält nicht viel von Reizwäsche, Videos oder Kerzenschein. Ich weiß nicht, was ich machen soll, denn durch meinen “Drang” wird die Beziehung immer schlechter und er will immer weniger. Soll ich diese Situation einfach akzeptieren, mich auf meine Prüfungen konzentrieren und auf bessere Zeiten warten? Ich möchte ihn nicht verlieren.
Vielen Dank,
Amalia
Dr. Sexpert:
Hallo Amalia! Daß Ihr momentan in einem “Teufelskreis” steckt, hast Du ja schon selbst bemerkt: Je unzufriedener Du bist, umso mehr zieht Dein Freund sich zurück und umso größer wird Dein Frust usw. Jetzt geht es darum, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. In Eurer Beziehung besteht sehr viel Nähe: Du bist den ganzen Tag zu Hause, kümmerst Dich um alles, bist anhänglich, willst Sex. Im Prinzip ist Nähe in einer Partnerschaft sehr schön, aber es kann eben auch etwas zu viel werden. Dann ist die Nähe nicht wohltuend, sondern wirkt einengend und erstickend, obwohl man das gar nicht will.
Versuche doch, etwas mehr Freude am Leben zu finden jenseits der Partnerschaft. Damit meine ich nicht, daß Du fremdgehen sollst. Suche Dir ein geselliges Hobby, vielleicht einen Kochkurs, Bauchtanz, einen Sprachkurs oder einen Sportverein. Knüpfe neue Kontakte und entwickle eigene Interessen - damit verhältst Du Dich nicht “unangemessen”.
Im Gegenteil: Dein Freund wird froh sein, wenn Du gute Laune hast, weil Du etwas Schönes erlebst und nicht die ganze Zeit auf ihn wartest, damit er Dich aufmuntert. Gestalte Deinen Alltag neben dem Lernen aktiver und geselliger, dann wirst Du Dich zufriedener fühlen.
Genieße Dein sexuelles Verlangen auch für Dich allein. Du kannst mit Dir selber spielen, Filme anschauen, Bücher lesen - was immer Dir Spaß macht. Das soll kein “Ersatz” sein für Sex mit Deinem Mann, sondern einfach eine Möglichkeit, Dir selbst Freude zu bereiten. Es gibt neben der Sexualität, die man mit dem Partner teilt, auch immer die eigene Sexualität, das ist eine ganz natürliche Ergänzung. Konservativ erzogene Frauen haben oft große Angst, zu “egoistisch” zu sein. Sie opfern sich lieber für andere auf, weil sie denken, daß sonst die Beziehung auseinanderbricht oder sie abgelehnt werden. Paradoxerweise ist es aber gerade so, daß dieses Sich-Aufopfern und Ganz-auf-eine-Person-Konzentrieren von der Gegenseite oft nicht als Liebesbekundung, sondern als Belastung empfunden wird. Denn bei einer Frau, die sich völlig für ihren Mann aufopfert, geht die Welt unter, wenn der Mann sich nicht ständig optimal um sie kümmert. Und damit fühlt sich der Mann unter Druck gesetzt.
Ich denke, Du profitierst auf alle Fälle, wenn Du Dir Betätigungsfelder außerhalb Deiner Beziehung suchst, mehr Spaß hast, Deinen “Drang” durch lustvolle Selbstbefriedigung abbaust und insgesamt selbständiger wirst. Wenn Du Deinem Mann nicht nur zähneknirschend mehr Privatsphäre läßt, sondern selbst öfter mal beschäftigt und unterwegs bist, wird er vielleicht wieder mehr aus seinem Schneckenhaus herauskommen. Auch Du wirst mit der Zeit neue Perspektiven und Stärken entwickeln.
Viel Glück und viel Erfolg für die Prüfungen!

Aktualisiert am 27. Juli 2009
Kategorie Beziehungsfragen - sexuell, Fragen an Dr. Sexpert

















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