Sexentzug - Angst vor dem Gespräch über Sex
Frage:
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin in einer Beziehung und das seit 1 1/2 Jahren und wir haben seit ca. einem Jahr keinen regelmäßigen Geschlechtsverkehr. Mal alle paar Wochen oder auch mal Monate lang nicht. Dieses Thema hat zu einer Beziehungskrise geführt. Dennoch haben wir das Problem erkannt und uns zusammengerauft, es versucht miteinander, was auch geklappt hat. Nun ist es wieder mehr als 5 Wochen her dass wir miteinander geschlafen haben und ich bekomme Panik, ich habe Angst dass die Beziehung dran kaputt geht.
Das Problem hat angefangen als ich ihm irgendwann sagte, dass ich mit dem Sex nicht zufrieden bin, dann hatten wir ein stundenlanges Gespräch miteinander, da er nicht nachvollziehen konnte, dass ich über Probleme dieser Art rede, bisher hatte er da nicht Probleme gehabt und über Sex braucht man doch nicht zu reden. Seitdem, so vermute ich, steht er unter Druck mir es im Bett recht zumachen, so sehr dass wir kaum miteinander schlafen. Reden funktioniert nicht, da ich Angst habe dass er ganz dicht macht. Bedrängen will ich ihn auch nicht. Ich bin 25 und er 29 Jahre alt.
Ich weiß nicht was ich tun soll.
Wie kann ich ein Gespräch anfangen ohne dass er abblockt?
Ich würde mich über eine Rückmeldung freuen.
Dr. Sexpert:
Liebe Pauline,
ich denke, du hast richtig erkannt, dass dein Freund unter Druck steht – und das ist nun wirklich ein schwieriges Problem, für das es keine der üblichen „einfachen Lösungen gibt“. Eine der ersten Fragen, die ich mir da so stellen, ist ja: Ist es wirklich ein Problem, das sich am Sex aufhängt und von dort eure Beziehung belastet? Oder ist eure Beziehung doch weiterhin belastet, und daher kommt es dazu, auch nicht mehr so viel Sex zu haben? Du sagst, ihr habt das Problem erkannt. Aber ist es auch gelöst?
Das Zweite ist der Druck: Du fühlst dich unter Druck, weil du Angst vor dem Verlust der Beziehung hast - er fühlt sich unter Druck, weil du ihm gesagt hast, dass euer Sex nicht besonders ist.
Das Dritte ist das Reden. Ich denke, du weißt inzwischen, dass du da etwas „vermasselt“ hast, indem du gesagt hast, du wärest „mit dem Sex nicht zufrieden“ – so etwas wirkt auf Männer wie eine Keule, und dann geht der Rollladen erst mal runter. Zwar glauben einige Paarberater, das Reden hilft, aber es hilft eben nicht bei jedem Problem. Im Moment, so scheint mir, ist jedes Wort zu viel. Das beantwortet auch deine Frage, wie du ein Gespräch anfangen kannst, ohne dass er abblockt: Es gibt diesen Anfang vorläufig nicht mehr – das neue Gespräch wäre sehr wahrscheinlich nur eine noch schärfer und frustrierender geführte Kopie des alten Gesprächs und es würde euch keinen Schritt weiterbringen.
Etwas anderes habe ich deinem Brief noch entnommen: Könnte es ein, das du deinen Freund mit deiner Dominanz generell etwas unter Druck setzt? Die Frage ist einfach nur mal zum „selbst Überlegen“.
Nun zu den Lösungen:
Als Erstes: keine Gespräche mehr über Sex! In eurer Situation ist es wirklich sinnlos, so etwas besprechen zu wollen.
Zweitens: auf „null“ zurück mit den Ansprüchen. Schenk ihm einfach freizügig alles, was eine Frau einem Mann geben kann – aber bitte nicht zu auffällig. Er muss vergessen, dass du Ansprüche an ihn gestellt hast. Und dann:
Sei zuerst einmal zufrieden mit dem, was er dir schenkt.
Drittens: Ausbauen und Umbauen. Abseits von der Sexualität:
Was könnte ihr zusammen genießen? Ein gutes Essen? Einen schönen Urlaub? Ein gemütlicher Abend zu zweit? Sex ist kein Selbstzweck, sondern die Folge der Lust aneinander und aufeinander. Das „sexuelle Ausbauen“ kann so geschehen, dass du ihm beim Sex eher verführst, als dass du etwas von ihm forderst oder verlangst. Dann kannst du ihn möglicherweise auch zu Dingen verführen, die ihr euch jetzt noch gar nicht träumen lasst.
Du hast damit eine Aufgabe, die nicht leicht ist – aber ich finde, es könnte sich lohnen.
Dafür wünsche ich dir und deinem Freund alles Gute.
Dein Dr. Sexpert

Aktualisiert am 14. Juli 2010
Kategorie Beziehungsfragen - allgemein, Fragen an Dr. Sexpert
















